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Die Gestalt kam langsam aus dem Dunklen und blieb mitten auf der Brücke am Geländer stehen.
Sinnend schaute sie in die schwarzen Fluten, die unter ihr gurgelnd von den Brückenfeilern zerteilt wurden.
Jetzt, im Lichte der Laterne sah man, dass es ein Mann so Anfang 50 war.
Als er nach einer längeren Zeit immer noch dort stand und ins Wasser schaute, hätte ein Beobachter durchaus annehmen können, dass er sich darauf vorbereitete, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Seine völlige Bewegungslosigkeit ließ darauf schließen, dass er noch einmal sein ganzes Leben vor seinem geistigen Auge Revue passieren ließ.

Schließlich schien er seinen Entschluss gefasst zu haben, denn er schaute nach beiden Seiten - wie um sich zu vergewissern, dass er für seinen letzten Schritt keine Zeugen in der Nähe wusste.
Plötzlich schien er etwas entdeckt zu haben, denn er starrte in eine Richtung, wo eine Ausbuchtung in der Brüstung war.
Und richtig, auch dort stand eine Gestalt, die bislang ebenso vollkommen unbeweglich in die Fluten gestarrt hatte.
Es war eine Frau unbestimmten Alters, die plötzlich mit marionettenhaften Bewegungen ihren Mantel auszog und über das Geländer hängte.