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Sie sahen ihn beide im selben Augenblick - bei beiden  machte es Klick und die Hormonproduktion wurde in Gang gesetzt.
Dies war nicht etwa ungewöhnlich, denn Marit und Maren waren eineiige Zwillinge und einander so ähnlich, daß früher nicht einmal ihre Mutter sie hundertprozentig auseinander halten konnte.
Wer sie allerdings jetzt so nebeneinander sitzen sah, wäre nie auf den Gedanken gekommen, es hier mit Zwillingen zu tun zu haben, aber dies gehörte zu ihrem Spiel – ein Spiel dass sie sich ausgedacht hatten und das es ihnen ermöglichte, die restliche Welt zu verunsichern, ohne dass jemand es bemerkte.
Es gab ihnen die Möglichkeit, ihre Identität zu wechseln und in die Haut der anderen zu schlüpfen.
Für beide war es ein ungemein prickelndes Gefühl, in Minutenschnelle eine andere Person zu sein, ohne dass es nach außen jemand notierte - etwas, was im Film oft als „Body-Swep“ gezeigt wird, wenn durch Magie zwei Menschen ihre Körper wechseln, mit all den Komplikationen, die dann daraufhin eintreten können.
Nur bei Marit und Maren gab es keine Komplikationen, denn sie inszenierten diesen Wechsel mit ständig steigender Perfektion.
Mit der Zeit brauchten sie nach einem erfolgten Tausch nicht einmal mehr der anderen die Erlebnisse haarklein zu schildern, damit diese nahtlos ohne Blackout die Rolle der anderen weiterspielen konnte.
Da sie beide parallel dachten, genügte z.B. nach einem Rendezvous nur der Austausch einiger Stichworte, um die andere in die Lage zu versetzen, das nächste Treffen mit dem selben Partner zu erleben, ohne daß dieser den Austausch bemerkte.
Die Grundlagen für dieses „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ waren einfach: Sie mußten sich für ihre Umgebung so verändern, daß keiner  auf die Idee kommen konnte, er könne sie nicht auseinanderhalten.
Von Natur aus waren beide blond, hatten eine gute Figur und nicht einmal ein Muttermal verriet dem hilflosen Betrachter, wer wer war.
Früher hatte es ihnen diebischen Spaß gemacht, durch gleiche Kleidung, Frisur, ja sogar Sprechweise und Wortwahl ihre Umgebung in Verwirrung zu stürzen.
In der Schule wechselten sie ihre Identität, je nachdem ob eine von ihnen durch Hilfe der anderen bei Arbeiten vor dem blauen Brief gerettet werden, oder auf eine bessere Note gehievt werden musste.
Besonderen Spaß machte es, wenn sie ihre Freunde linken konnten, indem sie ihre Dates tauschten.
Sie erlangte dabei eine solche Fertigkeit, daß keiner der bedauernswerten Spielfiguren jemals etwas davon erfuhr.
Da sie auch gedanklich wie ein Wesen handelten, kam auch zwischen ihnen nie so etwas wie Eifersucht auf; jede wußte: der Partner, den sich die eine geangelt hatte, dachte ja, er hielt sie im Arm, obwohl es die Schwester war.